Spaziergänge im Theresienthal

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Dieser Sommer ist anders

Anders, als ich Sommerzeiten in Erinnerung habe. Keine himmelblaue Klarsicht, keine strahlende Sonne.

Aber eigenartigerweise komme ich mit dem Wetter gut zurecht, mit der Hitze, mit der schwülen Luft. Einiges an Sanierungsarbeiten am Haus hab ich begonnen, viel hab ich noch zu machen. Anstrengend! Macht mir auch nichts.

Und manchmal, manchmal zieh ich mich zurück, um zu schreiben. Ich mag es. Es geht mir dabei wahrscheinlich ähnlich wie meiner Großmutter beim Stricken. Es erfordert Konzentration, aber eine ruhige, und immer wieder Besinnung auf das eigentlich wichtige große Muster.

Genau betrachtet schreibe ich ja nicht. Ich betätige nur die Tasten, und es schreibt mit mir.

Natürlich will ich eine Geschichte erzählen. Aber während ich sie erzähle, geht mir doch den Kopf, ob den das, was da in der Geschichte passiert, auch plausibel und vorstellbar ist. Magisch kann es ja durchaus sein, aber irgendwie sollte es doch im Rahmen der vorstellbaren Persönlichkeiten und Gefühlsregungen der handelnden Personen liegen, irgendwie sollte die Geschichte sich im Rahmen plausibler Technik und Physik bewegen, irgendwie sollte die Welt, in der die Geschichte passiert, funktionsfähig sein (mir fällt es immer auf, wenn Geschichten in lebensfeindlichen, sinnlosen Umgebungen angesiedelt werden, wenn alle Gesetze der uns bekannten Physik negiert werden, die Helden 533 mal mit einer Pistole schießen können, mit unterlichtschnellen sichtbaren Laserblitzen, usw. Und ich fühl mich oft ein wenig verarscht, wenn die Heldin oder der Held ohne jeden Plan eine Hazardentscheidung trifft und dann – erwartbar – siegt. Manchmal denk ich mir, dass das einige Leute viel zu ernst nehmen und nach diesem Muster Politik zu machen versuchen).

Das, was ich derzeit zu Papier bringe, eigentlich in den Computer, ist so etwas wie ein Krimi, ein Gruselkrimi. Mit meinen Ansprüchen an Plausibilität gibt es natürlich keine Monster, Dämonen oder Zombies, weswegen die Gruseleffekte eher in den Ängsten und Fantasien liegen. Mysteri-Effekte liegen hauptsächlich im wundersamen Zusammentreffen von Ereignissen, und die Pro- und Antagonisten, die Guten und die Bösewichter, sollten – wie alle Menschen – nicht nur gut oder böse sein.


Was aber ist zum Beispiel „böse“.

Im ersten Augenblick würde ich meinen: Alles, womit man anderen weh tut.

Glücklicherweise haben sich da schon andere Leute Gedanken darüber gemacht, und so gibt es da eine gängige Einteilung:

Böse kann man also sein, wenn man ein Bandit ist oder wenn man dumm ist (wobei mir gut gefällt, dass die Dummheit damit zusammenhängt, dass man Schaden für andere und gleichzeitig für sich selber verursacht).

Versuchen Sie jetzt einmal, Personen der Weltgeschichte nach dieser Matrix einzuteilen in die hilflosen, die intelligenten, die Banditen und die Dummen. Die persönliche Einstufung hilft aber leider nicht, Schäden zu verhindern. Dazu müsste man diesen Personen die Macht und die Möglichkeiten nehmen.

Ich weiß jetzt aus persönlichem Erleben, dass ich schon oft Dummheiten begangen habe, aus Denkblockaden heraus, aus gekränkter Eitelkeit, aus Rachegefühlen, aus Verbocktheit. Tja: Böse, obwohl ich versuche, ein halbwegs gutes Leben zu führen. Wie auch meine Romanhelden.

Aber für die möchte ich ja unbedingt eine plausible, eine wahrhaftige Welt. Und in der werden erfahrungsgemäß ja nicht lebenslange Gut- und Schlechtpunkte gesammelt. Was stecht da dahinter?

Einige Sachverhalte sind mir eingefallen:

  • Die Wahrheit, die ist ja nie im Besitz nur einer Person. Was man getan und aus eigener Sicht zu verantworten hat, kann sich für andere gaaaanz anders darstellen.

  • Die Vergebung: Wenn man sich nach einer wirklichen Dummheit zusammefinden kann, dann sollte bei erwachsenen (ich meine „reifen“), empathischen Menschen auch Entschuldigung und Vergebung möglich sein.

  • Banditen werden sich wohl nicht entschuldigen, außer sie wurden geläutert. Dazu gibt es ja gewisse Chancen.

  • Bei dummen Menschen stehen die Chancen eklatant schlechter, fürchte ich.

Ich bastle eifrig herum, diese Erkenntnisse auch in meine Geschichte einzubauen.

Schönen Sommer

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