Spaziergänge im Theresienthal

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Danke, dass Sie mich besuchen!

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Lange hab ich mich nicht um die Site gekümmert.

Tut mir leid, aber ich kämpfe auch gerade mit einem Bandscheibenvorfall (akzeptiere ich) und möglicherweise einem kaputten Hüftgelenk (ich hoffe nicht). Ich kann mich kaum bewegen, und doch humple ich herum - mit Schmerzen. Tanzen fehlt mir, Gehen fehlt mir, Herumtoben fehlt mir. Schmerzen habe ich genug..

Ich kann nicht einmal schmerzfrei vor dem Computer sitzen, um mein Buch zu redigieren. Aufgrund meiner Nervenschmerz-Miesepeterei fürchte ich auch um das Ergebnis einer solchen Redaktion.

Dann ist mir beim Durchlesen meiner Entwürfe noch aufgefallen, dass ich Sie - mich selber auch - angeschwindelt habe mit den Attributen "kurz" und "leicht lesbar". Einige Sätze hab ich da gefunden, die nicht so unkomplex (Haha!) und inhaltslos sind: Menschenleben auf vier Zeilen komprimiert, hoffend, dass Sie sich das alles gut vorstellen, geschrieben in der Erwartung, dass Sie allerlei Bezugsmaterien kennen.

Ich sag das nur zur Warnung: Medizinisch ist es nicht ganz unbedenklich, verloren im Versuch, die Lektüre zu verstehen, zu lange - gleich wo - zu sitzen. Und falls Sie die Geschichten zum Einschlafen verwenden wollen, werden sie möglicherweise in einzelnen Absätzen so steckenbleiben, dass Sie am nächsten Tag nicht mehr wissen, was Sie gelesen haben, und neu beginnen müssen.

Den "Werbetext" (das Exposee) rechts habe ich natürlich dementsprechend angepasst, um angemessen zu warnen..

Ob das Buch, die Geschichten, gefallen werden? Ich weiß es nicht. Aber ich bin schon so weit, dass ich es jetzt fertig machen werde

Ob es lesbar sein wird, was ich da geschrieben habe? Ich weiß es nicht. Ich kenne Bücher, die ich schon mindestens fünf Mal gelesen habe, und jedes Mal finde ich etwas Neues, verstehe etwas anders. Der Autorin/dem Autor trage ich das keinesfalls nach, eher im Gegenteil.

Ob es gekauft werden wird? Wirtschaftlich bin ich nicht darauf angewiesen, aber mein Ego ... naja.

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Zu den Themen "Zielgruppe" (hab ich keine) und "Gefallen" (möchte ich schon):

Ich habe vor kurzem eine ganz junge Literaturverfilmung angesehen, "Der Gesang der Flusskrebse". Das Buch habe ich gleich zweimal, unmittelbar hintereinander, gelesen, weil die Schilderungen der Natur und auch des Kriminalfalls um Kya so exakt, so unaufgeregt, so pragmatisch, und dabei so wunderschön sind. Als ich den Film angesehen habe, habe ich die Filmbilder natürlich - zumindest am Anfang - ein wenig mit meinen Fantasiewelten, die beim, Lesen gewachsen sind, verglichen. Aber die Filmbilder haben bald die Oberhand gewonnen. Sie haben mir durchaus gefallen. Der Film war auch sehr literaturgetreu, gut gemacht, über weite Bereiche. Der Bösewicht war vielleicht etwas zu eindimensional böse, dafür mit einer heftigen Neigung zur Ejaculatio praecox, an Kya fehlte die lyrische Seite.

Für Kritiker mag der Film schnulziger Kitsch sein. Ich habe - gerade jetzt, unterm Schreiben, weil es mich interessiert hat - einigen Kritiken gelesen, und es ist so Manchem Kitsch.

Über Geschmack braucht man sich aber nicht zu streiten, jeder und jedem gefällt wahrscheinlich etwas anderes. Mich würde ja interessieren, was einem Kitschkritiker gefällt. Das Marvel-Universum? Kann ich mir nicht vorstellen? Pasolini? Ulrich Seidl?

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Geschmäcker sind verschieden und orientieren sich wohl immer an Weltbildern:

Der Eine möchte seine Welt masochistenartig reduziert, jedenfalls den Schmerz im kurzen Hier und Jetzt sehen.

Der Andere liebt die Vorstellung, dass das Leben Sinn hätte und das Gute siegt.

Der Dritte findet das Leben lustig.

Es gibt auch welche, die haben ein klares Bild von einer "multipolaren Weltordnung". Ich nicht. Ich hab eher das Gefühl, dass uns die Haut beim ... nicht mehr zusammengeht, und dass wir da insgesamt zusammenarbeiten sollten, um irgendwohin zu kommen, die kommenden Krisen zu überleben. Da sollte es gar keine Polaritäten geben, und wenn, dann bitte so etwa 8 Milliarden. Ich möchte dazu aber für mich feststellen, dass ich Krieg gar nicht billige, von keiner Seite, und dass es keine Berechtigung gibt, Kämpfe jetzt voranzutreiben, Menschen zu verheizen.

Sie sehen: Ein Urteil über ein Buch, einen Film, die Sinnhaftigkeit von Politik und die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln, wird immer ein Urteil aus der Sicht des Urteilenden (und damit auch ein Urteil über den Urteilenden) sein.

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Bei beeindruckenden Bildern der Gegend und Natur sind wir uns üblicherweise einig über die Schönheit. Die Welt ist aber nicht für uns gemacht, nicht für uns behübscht, gar nicht behübscht, sondern absolut zweckmäßig. Alles, was nicht zweckmäßig ist, geht über kurz oder lang unter.

Wir sind in zugängliche Nischen hineingewachsen, haben uns so flexibel und anpassungsfähig weiterentwickelt, dass wir schon sehr viel ursprünglich Natürliches ausgerottet (sie glauben ja nicht, dass unsere Kulturlandschaften ein natürliches Gleichgewicht repräsentieren). Die Welt ist, wie sie eben ist, und die meisten Menschen finden sie schön, durchaus in Reminiszenz an "Natur".

Manche sind so ergriffen, dass sie diese Schönheit mittragen möchten, auch beim Bau von Feuerwachen.

Die Wache steht gut 8 km von meinem Zuhause. Wenn es bei mir brennen sollte, kommen sie daher also frühestens bei "Alarmstufe 3", aber so viel Brennbares oder Zerballerbares hab ich gar nimmer.

Das Motorrad ist die "Black Betty". Die hilft auch bei Bandscheibenvorfällen.

Und alles, was sie da sehen, vom Donautal über die Kalkalpen (die Sie im Dunst nicht sehen in der Verlängerung über die linke Ecke des Löschteichs) bis zum Ötscher (den Sie hinter dem Feuerwehrhaus auch nicht sehen können) ist meins. Dazu braucht es mir gar nicht gehören. Obwohl:

Es ist ein Geschenk an mich.

Danke!

Wie gesagt: Geschmäcker sind verschieden. Bei mir bist Du scheen! Für mich bist Du schön!

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Übrigens: Besucht bitte auch die Folgesites (Menü ganz oben) und vielleicht auch die verlinkten Seiten. Es zahlt sich aus!

Und nachfolgend hab ich ein paar Textproben angehängt ...

Der Beginn irgendeiner Geschichte, um Leserinnen und Leser zu werben:

Sex allein ist nicht Liebe. Liebe allein kann aber auch gegen erfüllte Sexualität stehen. Da gibt es kein Niveau, das man erreichen und halten kann; alles ist Leben und ändert sich und muss sich ändern, damit es gut bleiben kann. Das ist schlecht fassbar, das ist nur lebbar, und darum ist es auch schlecht zu vermarkten.

Vermarktbar - und das mit großem Erfolg - sind dann aber doch die Einzelteile und die Versatzstücke, zum Beispiel in der nicht unerheblichen Sexindustrie. Jeder weiß, dass hier nur Teilaspekte dargeboten werden, die den üblichen realen Tageslauf allenfalls streifen. Niemand hat Erwartungen, dass Pornos mit dem aktuellen Tagesgeschehen zu tun haben. Niemand erwartet, dass im Abspann eines wilden Sexfilms darauf hingewiesen wird, dass die zuvor wild kopulierenden Darsteller:Innen nachfolgend der guten Ordnung halber Ehebündnisse eingegangen sind. Manchmal denke ich, dass Entwicklungen in dieser Hinsicht möglich sein könnten, weil man in nicht wenigen Bildstreifen abschließend schon Meldungen sieht, dass während der Dreharbeiten keine Tiere gequält worden oder zu Tode gekommen seien, auch wenn im Film selber Schlachtrösser zu Hunderten geschlachtet worden sind.

Johann Sebastian war überrascht ob des Witzes, den er an Ursula gar nicht gekannt hatte. Er erinnerte sich voller Wehmut an schöne Augenblicke mit seiner ehemaligen Ehefrau, und je intensiver er diese Bilder zu fassen versuchte, umso mehr davon tauchten vor seinem inneren Auge auf. Es stand ihm vollkommen außer Frage, warum er Ursula so geliebt hatte, und er war im Augenblick heftig verliebt in sie, auch wenn ein Teil von ihm darauf beharrte, dass er die Vergangenheit wohl verkläre, dass es keinen Weg zurück gäbe. Trotzdem tändelte er umgehend mit der Vorstellung »Neustart«.

In diese Ausblicke hinein begann sie zu erzählen:

»Ein landwirtschaftlicher Facharbeiter ohne nennenswertes Eigentum und Einkommen, Karl war sein Name, reiste eines Tages nach Wien, wobei er sein ganzes Bargeld mit sich führte. Seine Bindungen an seinen Herkunftsort samt allen dort bestehenden Beziehungen hatte er gebrochen. Mitgenommen hatte er keinerlei Überzeugung oder Lebensziel, keine besondere Enttäuschung, keinen Zorn, keine Hoffnungen, in der Stadt etwas zu finden. Seine Bewegungen durch die Straßen konnte man eher als Umherirren bezeichnen, auch wenn er dabei zwangsläufig immer wieder an architektonischen Sehenswürdigkeiten vorbeikam, die er als solche erkannte, aber nicht zu benennen vermocht hätte.

Ins Gespräch kam er kaum mit Leuten, weil er eine andere Sprache sprach: Eine sparsame, abgehackte, eine im wilden Dialekt bellende, eine, die sich eher mit Wahrnehmungen und unmittelbaren Bedürfnissen befasste, ohne geistreichen Wortwitz, ohne auf Dialog abzuzielen.

Sein Essen besorgte er sich anfangs ausschließlich im Supermarkt, und er zahlte mit begleitenden wortlosen Grunzern, die professionell klingen sollten, an den Kassen, wobei er versuchte, sich durch Trinkgeld Anerkennung und Zuwendung zu kaufen. Er schlief in einem Arbeiterhotel, billig zwar, aber seine Geldvorräte schmolzen doch merkbar rasant dahin.

Eines Tages - er kannte sich schon auf einigen Hauptwegen aus - ging er am späteren Abend eben heim zu seinem Hotel, da kam er an einem Würstelstand vorbei, an dem gerade Trinkspiele gefeiert wurden. Einige Männer hatten sich kleine Schnapsfläschchen besorgt, offenbar bei diesem Würstelstand, wo solche auch in den Auslagen zu sehen waren, hatten die Schraubverschlüsse abgedreht und sich auf die Nase gesteckt und absolvierten gerade einen Wettbewerb. Es ging anscheinend darum, mit auf der Nase festhaltendem Schraubverschluss die kleine Buddel nur mit den Lippen von der Theke zu nehmen, den Kopf zu heben, nach hinten zu neigen und das Schnapsfläschchen auszutrinken, vielleicht auch wieder auf die Theke zu stellen, das alles, ohne die Hände zu benutzen oder den blechernen Schraubverschluss von der Nase zu verlieren. Weil der Verlierer, und es gab viele Verlierer, aber der richtige Verlierer war eben bei diesem Spiel der jeweils erste Nasenstoppelverlierer, der musste die Runde für den nächsten Durchgang zahlen.

In dieser Männergesellschaft fühlte er sich sicher, solche Blödsinnigkeiten kannte er schon aus seinem früheren Leben. Das Grölen der Anwesenden ließ ihn sich gleichwertig fühlen. Er trat an den Würstelstand und bestellte: »Wos host denn ...?« Am Trinkspiel beteiligte er sich nicht, dem sah er nur von der Seite her zu.

Es wäre ein eher vermessenes Vorhaben, die Persönlichkeit von Karl ergründen oder verstehen zu wollen. So flach er erschien, musste er - wie der weitere Lauf der Ereignisse zeigen wird - doch Züge in sich tragen, die in keinem kontinuierlichen Zusammenhang zu seiner Ersterscheinung standen. Es ist fraglich, ob er für sich einen solchen Zusammenhang erlebte, oder ob er ein von Impulsen getriebener war. Sollte das Zweite der Fall sein, so war er zumindest ein guter Manager seiner selbst, weil er es doch zu vermeiden verstand, aus seiner Bahn geworfen zu werden. Er überlebte und lebte, aber es war schwer, zu verstehen, ob gut oder schlecht.

So kam er ins Gespräch, eher ein Gegröhle, mit den Schnapstrinkern. Bellend, kurz angebunden, fragend, nichts von sich preisgebend. Sie redeten über dies und das, ziellos, sinnlos, auch zusammenhanglos, aber durch ihr Reden entstand Bindung, ein Gefühl von Geborgenheit, eine ferne Ahnung von Freundschaft. Er lehnte an dem Esspult, das den Würstelstand dreiseitig umgab. Das NIROSTA-Blech war unter seinen Armen warm geworden, er lächelte. Eine kleine Sorge streifte ihn: Ob er nicht einladen müsste, zahlen müsste für eine Runde, und unwillkürlich rutschte er ein wenig weg, wendete er sich ein wenig ab, machte er sich ein wenig kleiner, um nur ja nicht in den Fokus der Saufbande zu kommen. Auseinander halten konnte er sie noch nicht, aber dass es eine Bande, eine »Gang«, war, war klar: Alle Geräusche kamen unzuordenbar aus dem Knäuel der Leiber, das sich auch wie ein selbstständiges Lebewesen bewegte, das sich schlurfend und taumelnd und grunzend und hicksend zur Straßenfahrbahn hinbewegte, stolperte, gerade nicht vor die vorbeifahrenden Autos fiel, das sich sammelte, aufrichtete, ordnete und verkündete: »Gemma zum Joschi!«

.Die Stadt Wien stellt sich sehr ambivalent dar, wobei dieser Eindruck wahrscheinlich dadurch entsteht, dass hier viele Menschen leben, die zwar selbst gemocht werden, aber gleichzeitig niemanden mögen wollen. Das alleine wäre noch keine Besonderheit, weil es doch allen westlichen Kulturkreisen zu eigen sein scheint, in denen eine gewisse Sattheit, eine hinreichende, bornierte Sattheit vorherrscht. Die Besonderheit von Wien liegt darin, dass man seiner Borniertheit freien Lauf lässt, in Form einer zynisch gefärbten Brutalität in der Sprache, für die es Stilregeln zu geben scheint. Zuerst einmal möchte ich klarstellen, dass die Brutalität der Sprache keinesfalls mit gewalttätigen Körperlichkeiten einhergeht. Auch die gibt es, wahrscheinlich sogar weniger als in anderen Städten und Gegenden, sodass sich die Frage stellt, ob die Sprache hier nicht als ein Ventil für Aggressionen verwendet wird, damit diese nicht mehr körperlich durchbrechen müssen.

Auf der anderen Seite sind die formulierten Grobheiten ja manchmal durchgestylt, kleine Kunstwerke, mit denen der Beschimpfte gewissermaßen auch beschenkt wird: Zwar wird er so missachtet, dass er verbal attackiert wird, gleichzeitig aber wird die Verbalattacke nach Regeln einer nicht als solche eingestuften Kunst entworfen, verfeinert und im Regelfall sogar noch besonders intoniert: »Du Wappler! Schwimm´in´d Wäsch und bresl oh, sunst hau i dar a Klaumpfn in´s Kreiz, dass´s di aussitrogn kennan wia an Koffa!«

Wien wurde im Jahr 2019 als lebenswert, gleichzeitig aber als unfreundlichste Stadt der Welt ausgezeichnet. Ich denke, die Wettbewerbkomitees haben in beiden Verfahren nicht ordentlich recherchiert. Oder vielleicht ist diese Ambivalenz für Außenstehende einfach nicht verständlich.

Worauf ich noch hinweisen muss: Einige Zeit nach Karls Ankunft in Wien kamen da noch ein Virus, ein Krieg, eine gewaltige Inflation, eine wirtschaftliche Stagnation. Aufgrund seines besonderen Lebensweges hatten die alle aber keinen großen Einfluss auf Karl, weswegen ich sie hier weglassen darf. Ich gestehe: Eigentlich hab ich sie nur nicht eingearbeitet. Die Geschichte ist schon etwas älter. Ich weiß nicht, wie das alles weitergehen wird. Sie erlauben, dass ich alles im »Seinerzeit-Sorglosen« beließ..

Wie die Stadt hatten auch die Wiener Lokale ein breites Spektrum an Gastlichkeit anzubieten, von der liebenswertesten Freundlichkeit bis zur tiefsten Verachtung. Aber das wusste Karl noch nicht, als er sich der Sauftruppe anschloss, die sich schmatzend vom Würstelstand löste und sich Richtung »Joschi« wuzelte.

Der »Joschi« war - wie sich herausstellte - der Betreiber einer »multifunktionalen Gastwirtschaft« namens »Zur Kaiserrast«. Der Name bezog sich offenbar auf die Nähe zum Schloss Schönbrunn, doch dass der Kaiser hier jemals gerastet haben könnte, war einerseits unwahrscheinlich, weil es keine räumliche Nähe zu irgendeiner Route, die der kaiserliche Tross je auf seinen Wegen genommen haben mochte, gab. Andererseits war das Establishment in einem Wohn- und Geschäftshaus, das unmittelbar in der Nachkriegszeit errichtet worden war, untergebracht. Das heißt ja noch nicht, dass nicht zuvor auch ein älteres Gebäude hier gestanden wäre. Wir wissen es nur nicht, und es ist auch unerheblich, weil der Prunk und Ruhm von Joschis »Kaiserrast« erwuchs der unmittelbaren Gegenwart und vielleicht der jüngeren Vergangenheit (die von allen Gästen einhellig glorifiziert wurde). Dabei hatte Joschi auch jetzt genügend zu bieten: Essen und Trinken, sogar für »anständige« Familien, in der anschließenden »Schwemme« war der Fokus eher auf das Trinken gerichtet, und in einem vorgelagerten Raum dieser Schwemme zu einer Seitengasse hin wurde rund um die Uhr eine »Likör- und Teestube« offengehalten. In Hinterzimmern, die nicht für jedermann offen gehalten wurden, wurde gespielt, und in Gangnischen zu diesen Hinterzimmern soll der eine oder andere Spielautomat aufgestellt gewesen sein, auch wenn diese »einarmigen Banditen« zum Schutze der Bevölkerung eigentlich verboten waren. Aber Menschen gehen eben ihren Weg, auch wenn dieser tragisch aussieht.

Im ersten Stock befand sich ein »Ballsaal«, gut für 200 Leute, in dem um das Wochenende herum Tanzmusik gegeben wurde, teils von Bands, teils von DiTschääähs, und zum Teil auch wirklich übel.

Da der Joschi immer gut besucht war, hauptsächlich natürlich von Männern, flatterte die eine oder andere Blume des Grätzels dort auch herum, um sich einladen zu lassen, gegen oder ohne Wertschätzungsgesten, wobei Beziehungs- und Rangregelungen eine Rolle spielten, die für Außenstehende kaum sichtbar waren. Und wenn man sie sah und zu begreifen versuchte, so waren sie doch sinnlos, wenn der Lebenssinn nicht beim Joschi seine Wurzeln hatte.

In die »Kaiserrast« bewegte sich also die Würstelstandsgesellschaft, die unterwegs nicht ausnüchterte, aber doch wieder etwas Kraft und Fassung gewann. Natürlich durchschritt man die Gaststuben umgehend Richtung Schwemme, auch kurze Grüße durch die offenstehende Tür in die Teestube. Man bestellte ohne irgendwelche Spielchen und machte sich mit den Anwesenden bekannt, und Karl war einigermaßen froh, dass keine Trinkspiele angezettelt worden waren. Aus dem Ballsaal tönte leise Musik ..."

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Aus dem Epilog meines Buchprojekts, sehr technische Quintessenz ohne spannende Action. Die gibt es in den anderen Kapiteln. Das hier, das ist eben ein Epilog, das Ende nach dem Ende:

Auf einmal sind wir da, in diesem Leben, ein kleines Ich mit wenigen großen Bedürfnissen, das zu einem großen Ich mit vielen großen Bedürfnissen heranwächst. Und irgendwann stirbt der Mensch, der Körper zerfällt und auch das Ich löst sich auf. Das ist jetzt einmal nichts Außergewöhnliches und passiert manchen Menschen sogar schon während ihres körperlichen Lebens, durch verschiedene psychische Störungen, durch Alzheimer, durch »Querdenken«. Aber der Gedanke an den Tod, an die Auflösung des Ichs, dass man bei dem ganzen Spiel nicht mehr teilnehmen kann, der macht uns doch Angst.

Irgendwo - meine ich mich erinnern zu können - hab ich einmal aufgeschnappt, dass Menschen die einzigen irdischen Lebewesen wären, die wüssten, dass sie sterben müssen. Ich kann es ja nicht ganz glauben: Wie funktionieren dann zum Beispiel Elefantenfriedhöfe? Aber vielleicht nehmen wir uns einfach nur zu wichtig, stellen wir uns den Tod einfach nur viel zu wichtig vor. Aber weil wir ihn ernst nehmen, den Sensenmann, haben die Menschen seit Anbeginn ihres Menschseins nachgedacht, Spuren gesucht, man kann auch sagen »geforscht«, warum und wie denn die ganze Angelegenheit so laufe, wie sie eben läuft. Warum es regnete: Ach ja, der Regengott! Ein Freund vom Donnergott und vom Blitzgott und einer schon eher umfangreichen Bagage, wenn man den Froschgott mitrechnet. Die musste man wohl gewogen stimmen, natürlich durch Geschenke, Opfer genannt, aber das war eine ausufernde Angelegenheit. Es war schwierig, dass die Göttinnen und Götter nicht eifersüchtig wurden aufeinander, was dann ja zur Folge haben konnte, dass sie nicht nur blöd herumspielten mit uns, sondern sogar zornig wurden und rachsüchtig und böse herumspielten mit uns.

Um diese Anlässe für Eifersüchteleien zu beseitigen, wollte man sich auf einen einzigen Gott einigen. Die ganze Erdenbevölkerung unter einen Hut zu bringen ist aber dann doch nicht so einfach, und so entstanden zumindest drei monotheistische Religionen, daneben noch Etliches für andere Geschmäcker. Natürlich waren die Götter noch immer eifersüchtig aufeinander, sodass die Anhänger der verschiednen Mannschaften ein für allemal klarstellen wollten, dass ihr jeweiliger Gott der beste wäre. Das ist bislang nicht so richtig gelungen, für viele aber so anstrengend und abstoßend geworden, dass sie ausgestiegen sind, privat weitergeforscht haben und auch zu für sie glaubhaften Ergebnissen gekommen sind. Die einen haben einiges nachjustiert und neue Gottheiten erfunden. Die anderen haben gesucht und gesucht und alle möglichen Wege und Abzweigungen gefunden. Etliche sind an diesen Abzweigungen verblieben, etliche haben weitergeforscht und - aus praktischen Erwägungen - vereinbart, Brotkrumen zu streuen auf ihren Pfaden, wie Hänsel und Gretel, oder einen Faden zu ziehen, wie Ariadne, um Wege nicht mehrfach gehen zu müssen, um Schrauben nicht mehrfach erfinden zu müssen, noch dazu jedes Mal mit anderer Drehrichtung, anderer Steigung, anderem Gewinde und anderem Schraubenkopf. Die Brotkrumenstreuer, die heißen heute Wissenschaftler, die, die irgendwo stehen geblieben sind, nicht.

Die Wissenschaften sind weit gekommen bis heute, gut 30 Zehnerpotenzen nach unten und nach oben über die Maßstäbe unseres Menschenlebens hinaus. Angefangen haben sie ja bei diesen Menschenmaßstäben: Wie kann ich den Ernteertrag steigern? Was kann ich essen? Wie kann ich am Besten Säbelzahntiger braten? Bis auf die Säbelzahntigerrezepturen sind das auch heute noch gängige Themen und Fragen. Aber die Forscher bewegen sich mittlerweile auch schon in Gegenden, die man nicht mehr sehen kann, wo man nichts mehr angreifen kann, auch mit der feinsten Pinzette unter dem besten Mikroskop nicht. Und trotzdem führen die Untersuchungen zu sicht- und greifbaren Ergebnissen, dem Transistor, dem Smartphone, der GPS-Ortung, LED-Lampen, Computer- und Magnet-Resonanz-Tomografie, zu modernen Medikamenten, einer enorm verlängerten Lebensdauer und leidlichem Wohlstand und Glück für einen Großteil der Erdenbevölkerung.

Doch nun stehen wir - so meinen viele - vor undurchdringlichen Schranken der Erkenntnis. Im Weltraum verstehen wir vieles nicht, entspricht vieles nicht unseren Erwartungshaltungen nach Newton oder Einstein, und die ganz kleinen Dinge, die Quanten, die narren uns noch viel mehr. Mal sind sie Welle, mal sind sie Teilchen, und wenn wir sie beobachten, dann verhalten sie sich ganz schamhaft, ist man versucht zu glauben.

Vielleicht verhalten sie sich aber ganz normal, wie die Galaxien sich auch normal verhalten und der Weltenraum. Nur wir - ein Sonderfall, nicht fähig, die Welt zu erkennen, wie sie wirklich ist -, wir können diese Wirklichkeit nicht sehen mit unseren Augen, nicht denken mit unseren Gehirnen, die eher für den Umgang mit Ruderbooten, Säbelzahntigern und Fortpflanzungspartnerinnen und -partnern ausgelegt sind. Wir wollen immer Entitäten sehen, konkrete, abgegrenzte, dauerhafte Dinge, die sich auf einer Weltenbühne in Raum und Zeit bewegen.

Doch wenn man das alles beiseitelässt, wegschnipselt, diese Erwartungen, was bleibt dann: Wir als Beobachter wirken offenbar ein auf die Quantenwelt, wenn wir sie beobachten. Nicht einmal mit ihrer Verschränkung, der geheimnisvollen Fernwirkung, bleiben Quanten unter sich: Auch hier muss es einen Zuschauer, einen Schiedsrichter geben, und selbstverständlich wirkt der auf das fernwirkende Quantensystem. Da tun wir uns schwer mit dem Messen, da tun wir uns schwer mit dem Klassifizieren, mit Aussagen, mit Vorstellungen. Paralleluniversen werden ins Treffen geführt, eine jederzeitige Aufspaltung jedes Weltaugenblicks in unendlich viele Weltzeitlinien ... Alles schon sehr affektiert, oder?

Was bleibt, was immer zu gelten scheint, bei allen Betrachtungen, ist, dass es offenbar Beziehungen gibt, zwischen Beobachter und Objekten, zwischen den Objekten, dass es Eigenschaften gibt, die in Beziehungen eine Rolle spielen, die durch Beziehungen verursacht werden. Alles Weitere ist nicht gesichert. Ich bin leider zu beschränkt, eine Metaphysik einer solchen Beziehungswelt auch nur andeutungsweise zu formulieren, aber sie ist gar nicht so viel anders als unsere Lebenswelt, wie mir scheint. Ich bin absolut außerstande, eine Mathematik zur Beschreibung von Relationen und ihren Folgen zu formulieren. Aber womöglich gibt es ja wirklich nichts als diese wabernden, sprudelnden, wirbelnden, schäumenden Beziehungen, diese lebendigen Beziehungsstrukturen.

Auch wir sind ja nichts als Strukturen, die sich aus einer befruchteten Eizelle gebildet haben, haben selber über die Zeit unseres bisherigen Lebens Strukturen geschaffen, in Beziehungen, mit unseren Ideen, durch Hausbau, durch Gartenarbeit. Obwohl wir glauben, dass die Strukturen der Welt wahnsinnig kompliziert sein müssen, sind sie doch sehr rasch herzustellen, sitzen wir sehr nah am Ursprung, ganz im Ergebnis. Wie lang hat es denn gedauert, bis Sie aus der Eizelle geworden sind? Und jetzt sitzen Sie hier, lesen, denken. In ihrem Körper laufen biochemische Reaktionen mit einfachsten Ausgangsstoffen ab, und ihre Sinnesorgane, das Sehen, das Riechen, funktionieren auf Basis quantenmechanischer Prozesse.

Wenn wir forschen, dann erforschen wir Aspekte, so scheint es heute: Aspekte von Strukturen, Eigenschaften, die durch Beziehungen erwachsen. Jje nachdem, wo wir genau hinschauen, finden wir Bilder - von Bildern - von Bildern - und dahinter ist das blanke Nichts (könnte man behaupten). Samsara und Nirwana, wie es die Buddhisten nennen. Also wirklich kein Grund, sich vor dem Tod zu fürchten.

Für mich ist die Quantenwelt nicht das Nichts, auch nicht das strukturlose Chaos, weil nichts Seiendes kann ich mir ohne jede Struktur vorstellen. Vor allem aber muss es ein Potenzial geben, Strukturen auszubilden, eine Kraft, eine Macht, die macht, zumindest den Ursprung. Die Strukturen wachsen dann, durch ihre eigene Ordnung, durch die ihnen innenwohnende Kraft, durch Evolution, durch Willen. Das heißt Leben. Wir gehören dazu.

Wir leben nicht, um - unter anderem - zu lieben. Es scheint, dass wir lieben, um zu leben.

Merkt Euch das!

Zu meinem beinahe fertigen Buch

Ich lass mir den Entwurf jetzt vom Computer vorlesen, um ihn zu korrigieren. Erstaunlich, auf was man da noch draufkommt. Ich werde das Ding selber verlegen, als Buch zum angreifen. Ich finde ja E-Books ganz praktisch für Reisen und Krankenhausaufenthalte. Aber sonst: Sehr unsinnlich.

Für diejenigen unter Euch, die das erste Mal hier sind: Worum es in meinem Buchentwurf geht?

Die Physik hat die Philosophie ausgehebelt, indem sie die Fragen nach dem Sein über eine Newtonsche Raum-Zeit-Bühne hinausgehoben hat, einen Körper-Seele-Dualismus, wie ihn zuletzt Descartes zu beweisen versucht hat, relativiert: Wir haben unsere Kultur, weil unsere Natur dies erlaubt.

Gerade deswegen aber sind unsere Hoffnungen nicht entzaubert: Hinter jeder Tür, die wir aufstoßen, erblühen neue, phantastische Welten. Und Fragen, und Unsicherheiten: Wer bin ich? Was bin ich?

Gleichzeitig sind wir auch wie zu Urzeiten, gefühlsgetrieben, unüberlegt, wild und selbstzerstörerisch. Und wir sind viele geworden.

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In dieser Zeit treffen sich in einer kleinen Ortschaft im Theresienthal, das ist der unentdeckte, unscheinbare Mittelpunkt von Mitteleuropa, einige Menschen, zum Teil zutiefst in Sinnfragen verstrickt, ängstlich, andere wieder voller Hoffnung und Zukunftsfreude. Auch Zyniker sind dabei und Menschen, die aus dem Leben herausgefallen sind.

Sie interagieren, sie sprechen miteinander, sie erzählen sich Geschichten. Die Inhalte (auszugsweise):

Ist der Tod ein Mörder?

Was ist ein pornographischer Schachterlteufel?

Wie viele Ungeheuer gibt es in der Welt? Und gibt es auch "Geheuer"?

Was ist ein "Ungustav", und was ein "Wörterwärter"?

Ist Verantwortung teilbar?

Wie viel Mut braucht ein König?

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Die Prämissen meines Schreibens waren Knappheit und Wahrhaftigkeit. Mein Deutsch ist dabei eher altbacken, ein wenig lyrisch (hoffe ich).

Ich denke, aufgrund der eher kurzen Teilgeschichten eignet sich das Buch ganz gut auch zum Schlafengehen und für den einsamsten Ort des Hauses. Möglicherweise sind einige Sätze aber auch zu lang und kompliziert, um sie so nebenbei verdauen zu können.

Aber das Alles denk nur ich mir.

Und darum suchte ich jemanden mit Gefühl für das Metier, als Testleser, als Berater.

Das ist immer und natürlich auch über alle möglichen sexuellen Selbstverständnisse, Farben und Ethnien hinweg gemeint.


Das Tanzen geht mir ziemlich ab. Die Freude fehlt mir, und die Bewegung ...

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